Transkript des Podcast ”Wherever Life Takes You”, Episode #58

Titel und Episodeninformationen

Podcast-Titel: Wherever Life Takes You

Folgenname / Nummer: #58 – St. Georg entdecken: Neues über Hamburgs wildes Herz

Datum der Veröffentlichung: 29.09.2025

Dauer der Episode: 39:54 Minuten

Teilnehmende: Marina Christensen, Host / Oliver Heiß, Gast

Einleitung

In dieser Folge nehmen wir Sie mit in ein Viertel voller Kontraste: Szene trifft auf Subkultur, Luxus auf Alltag. Hoteldirektor Oliver Heiß erzählt von seinem Best Western Plus Hotel St. Raphael – einem Haus mit Geschichte, Charakter und einer ganz besonderen Atmosphäre. Entdecken Sie echte Hamburger Gastfreundschaft, spannende Stadtteilgeschichten und neue Perspektiven auf ein Viertel, das mit seinen Facetten überrascht. Diese Transkription enthält alle gesprochenen Inhalte sowie relevante akustische Informationen.

Hauptteil

Moderation aus dem Off
Willkommen zu einer neuen Folge von „Wherever Life Takes You“. Heute nehmen wir Sie mit nach St. Georg, Hamburgs wildes Herz direkt hinter dem Hauptbahnhof. Hier prallen Welten aufeinander. Szene trifft Subkultur, Luxus auf Alltag und mittendrin ein Hotel mit Geschichte und Charakter. Kommen Sie mit auf einen Streifzug durch ein Viertel voller Kontraste. Roh, ehrlich, lebendig. Sind Sie bereit für neue Perspektiven? Dann legen wir los.

Marina Christensen
Herzlich willkommen zurück auf unserer virtuellen Podcast-Couch, sozusagen auf dem roten Sofa der BWH Hotels. Das war für die Norddeutschen oder für unsere Hörer aus Bayern die blaue Couch der Hotellerie. Ich freue mich sehr, heute erneut Ihr Host zu sein und ich verspreche Ihnen ein spannendes Gespräch mit einem charmanten Kollegen und einer Destination, die Sie vielleicht heute von einer anderen Seite kennenlernen. Mein Name ist Marina Christensen und ich bin mit meinem Team für die Auslastung unserer Hotels verantwortlich. Das bedeutet konkret, wir sorgen dafür, dass wir die richtigen Kunden aus den verschiedenen Segmenten für unsere Hotels finden und sie im besten Fall auch zu buchenden Kunden machen. Und das machen wir für alle 220 Hotels in der Region Central Europe. Das ist mein fünfter Podcast als Gastgeberin und ich stelle fest, ich talke mich durch die Republik. Nach Stationen in unseren Hotels in Weimar und Würzburg durfte ich zwei Küchenpodcasts moderieren. Super für mich, die ich wenig kochen kann. Aber diese Podcasts entstanden anlässlich der Weihnachtstage und ich hatte zwei exzellente Köche zu Gast, die viele Tipps rund um die Feiertage gegeben haben. Hören Sie mal rein, das Weihnachtsfest steht ja quasi vor der Tür. Wir sitzen hier bei knappen 30 Grad in Eschborn. Naja, und dann ging es ins Ruhrgebiet, genauer gesagt nach Essen und auch da gab es viele spannende Neuigkeiten zu entdecken und auch ich habe die Stadt im Herzen des Ruhrgebiets neu entdeckt, obwohl ich direkt aus der Nachbarschaft Dortmund komme und da auch ehrlicherweise viele Infos schon vorher hatte, hat es für mich viele Neuigkeiten gegeben. Alle Podcasts mit unseren Gastgebern aus Leidenschaft, die auf diesem Weg entstanden sind, können Sie natürlich nachhören. Wir verlinken bestimmt alle Informationen dazu auch in die Shownotes dieses Podcasts. Heute geht es also in eine Millionenstadt im Norden Deutschlands, die für viele ein Sehnsuchtsort ist und über die der Stern neulich titelte, dein Herz schlägt schneller. Na klar, es geht nach Hamburg. Die Stadt, über die viele und nicht nur die Hanseaten sagen, die schönste Stadt der Welt. Eingebettet zwischen Elbe und Alster liegt diese Stadt und heißt seit mehr als tausend Jahren weitgereiste Willkommen. Und um das gleich vorwegzunehmen, heute geht es nicht um St. Pauli und die Reeperbahn und auch nicht um den Hafen, die Speicherstadt, die Elbphilharmonie oder um die vielen Musicals, die hier gespielt werden. Heute geht es um den bunten Stadtteil St. Georg und es gibt wirklich kein Hamburger Hoteldirektor in unserer Kooperation, der diese Gegend besser kennt als er. Daher herzlich willkommen auf unserer virtuellen Podcast-Couch. Trommelwirbel: Oliver Heiß!

Oliver Heiß
Vielen lieben Dank Rima und danke, dass ich hier sein darf.

Marina Christensen
Sehr gerne. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch. Olli, du bist seit zweieinhalb Jahren im West-Western-Plus-Hotel St. Raphael als Hoteldirektor tätig, aber du bist natürlich viel länger mit diesem Stadtteil verbunden. Deshalb bist du eben der geeignete, um darüber zu reden. Erzähl mal ein wenig über dich und deine bisherigen Stationen. Du bist ja eigentlich Rheinländer, Leverkusener, um genau zu sagen.

Oliver Heiß
Richtig und seit 2024 auch Deutscher Meister.

Marina Christensen
Bei meinen Dortmundern dauert das noch ein bisschen.

Oliver Heiß
Genau. Ja, wir kennen uns ja auch schon ewig. Die Ausbildung habe ich in Düsseldorf gemacht, im Holiday Inn Düsseldorf Königsallee, auch einer der Plätze, die du danach dann nochmal kennenlernen durftest. Ich bin dort bei den Queens Moat Houses in verschiedenen Positionen und Hotels gewesen, habe viel kennenlernen dürfen. Das erste Mal im Verkauf, als Verkaufsrepräsentant, durfte ich ein Hotel eröffnen, das Queens Hotel in der Ludwig-Erhard-Allee. Das war noch eine ganz spannende Geschichte. Danach hat es mich dann zu verschiedenen Ketten noch weitergezogen. Es ist einfach ganz normal, dass man auch ein bisschen was kennenlernt. Das war zum einen Dorint, die sich dann mit Accor zusammengeschlossen haben. Und das war der Knackpunkt, als man mir eine ganz tolle Stelle als regionaler Verkaufsdirektor im Norden angeboten hat. Und das war seit 2002 dann halt Hamburg. Und da durfte ich dann halt verschiedene Verkaufsteams führen, verschiedene Hotels ein bisschen im Sales betreuen. Und das war dann auch der Punkt, dass ich mich in diese Stadt verliebt habe.

Marina Christensen
Ja, das kann ich verstehen. Mich hat mein Weg ja dann auch irgendwann nach Norddeutschland geführt. Ehrlicherweise war das mein Mann, der da gezogen hat und ich bin als ordentliche Ehefrau dann mitgegangen. Gehen wir nochmal kurz zurück nach Düsseldorf. Ich habe ein bisschen überlegt in der Vorbereitung auf diesen Podcast. Wir kennen uns seit Mitte der 90er Jahre, richtig?

Oliver Heiß
Seit ‘95, also insgesamt jetzt sieben Jahre.

Marina Christensen
Ist das der? Das wär's.

Oliver Heiß
Genau. Ja, also ich kann mich da noch gut dran erinnern. Wir hatten in einer traumhaften Metropole in Kassel einen...

Marina Christensen
Sag nichts gegen Kassel.

Oliver Heiß
Natürlich nicht. Einen Sales Blitz, also eine Verkaufsveranstaltung im Endeffekt. Stimmt. Es war mitten im Winter und wir standen, glaube ich, um sechs Uhr morgens mit damals zuerst noch frischen Croissants, die nachher dann ein bisschen hart wurden, weil eingefroren, vor dem Mercedes-Benz-Werk und haben das den Mitarbeitern halt überreicht mit einem kleinen Gruß unserer Hotels.

Marina Christensen
Stimmt. Da haben wir uns kennengelernt.

Oliver Heiß
Richtig.

Marina Christensen
Irre. Ja, da waren wir alle noch ein paar Tage jünger. Aber es war eine tolle Aktion. Damals ging sowas noch. Heute wäre das fast gar nicht mehr denkbar. Aber da warst du schon im Sales, richtig?

Oliver Heiß
Richtig. Das waren so meine Anfänge damals, ganz genau.

Marina Christensen
Und dann hat dich also die berufliche Laufbahn durch Accor, also Dorint / Accor, nach Hamburg gebracht. Und du bist hier angefangen, glaube ich, damals im Le Meridien.

Oliver Heiß
Also wie gesagt, zuerst war es noch in Hamburg für Accor. Ach ja, richtig. Danach ging es dann zu Starwood und durfte dann das Le Royal Meridian an der Außenalster, ich glaube auch über sieben Jahre betreuen, verschiedene Stationen dort noch gehabt. Und dann ging es auch dann irgendwann zu dem damaligen Zeitpunkt meiner Herzensangelegenheit, dem Reichshof in Hamburg. Das war auch eine Neueröffnung, eine Entkernung und Komplettsanierung. Und es wurde eröffnet als Curio Collection bei Hilton, also das erste Hilton in Hamburg und das erste Curio Collection in Europa. Das war sehr, sehr spannend. Eine tolle Zeit, ein wundervoll historisches Hotel.

Marina Christensen
Ja, und nach dem Werbeblock für Hilton, tatsächlich, aber mussten wir an der Stelle erwähnen, der Reichshof ist ja wirklich auch ein historisches Haus.

Oliver Heiß
Absolut, ja.

Marina Christensen
Und wenn du mir das richtig erzählt hast, es gab dort eine Hoteldirektorin, die vor über 100 Jahren schon in die Staaten gefahren ist und dort Kunden geworben hat. Ist das richtig?

Oliver Heiß
Ja, also der Reichshof war eines der ersten Grand Hotels in Europa und für damalige Verhältnisse auch absolut innovativ. Es ist immer so die innovativen Wege gegangen. Es war mit eines der ersten Hotels, die Badezimmer auf den Zimmern hatten, die ein Telefon auf dem Zimmer hatten. Genauso wie du es erwähnst, die Direktorin hat damals Märkte erschlossen in Übersee und ist dann rüber geschippert, auch mit einem damaligen Auto und hat dort Geschäftsbeziehungen geschlossen.

Marina Christensen
Also sie wird vermutlich mit dem Schiff rüber gefahren sein und ist dann mit dem Auto durch die Staaten gefahren und hat wahrscheinlich Kunden.

Oliver Heiß
So wollte ich es rüberbringen. Ja, genau.

Marina Christensen
Aber irre auch, dass das von einer Frau geleitet hat. Es gab ja nicht viele Frauen, die in der damaligen Zeit Hotels geleitet haben. Aber ich weiß das von der Frau Sacha, die hat ja dann nach dem Tod ihres Mannes, hat sie das Wiener Sacha übernommen, musste sich da auch durchkämpfen. Also spannend. Und du hast ja heute die Verantwortung, also jetzt seit über zweieinhalb Jahren schon die Verantwortung, auch für ein historisches Haus in Hamburg, richtig? Das St. Raphael hat ja durchaus auch eine spannende Geschichte.

Oliver Heiß
Genau, das Best Western Plus Hotel St. Raphael hat ebenso eine gute Historie und eine ganz ordentliche. Und vom Namensgeber her ist der Erzengel Raphael eigentlich der Schutzpatron der Reisenden, der Namensgeber gewesen. Das Ganze geht auf den Verein zum Schutze katholischer Auswanderer zurück, der gegründet wurde 1871 durch den Kaufmann Peter Paul Cahensly. Das Hotel war zuerst kein Hotel, sondern wurde während des Zweiten Weltkriegs als Auswandererheim bombardiert und zerstört und dann danach aufgebaut als Hospiz. Und damals war eigentlich der Begriff Hospiz in der Ursprungsbedeutung ist das eine kirchliche Beherbergungseinrichtung und nicht so wie es heute eigentlich verstanden wird als Sterbebegleitung. Und dann 1955 wurde aus dem Hospiz ein Hotel, was sich jetzt mittlerweile durch verschiedene Anbauten links und rechts zu dem entwickelt hat, was wir darstellen, nämlich das Best Western Plus Hotel St. Raphael mit 118 Zimmern mitten im Herzen von St. Georg.

Marina Christensen
Und sag mal, dahinter steckt ja das Raphaelswerk. Das ist, glaube ich, ein Verein. Was ist die Aufgabe von diesem Verein?

Oliver Heiß
Das Raphaelswerk e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Hamburg, der sich auf die Beratung von Menschen bei Auswanderungen, Rückkehr und Weiterwanderung spezialisiert hat.

Marina Christensen
Okay, also heute noch und die haben den Dienst...

Oliver Heiß
Die sitzen auch bei uns eigentlich im Gebäude.

Marina Christensen
Und es ist tatsächlich so, muss ich mich jetzt mal outen, neulich habe ich das Büro erst entdeckt, weil ich mal das Treppenhaus bei euch benutzt habe und in dem Hinterhaus ist das Büro. Ja, es gibt noch einen anderen Eingang. Sag mal, du hast gerade erzählt, das Haus war ein Zufluchtsort für Auswanderer. Spürt man diesen Geist heute noch? Also ich sag mal im Umgang mit euren Gästen oder wie hast du das Team da strukturiert und auf diese Historie eingestimmt?

Oliver Heiß
Also einen Geist haben wir in der Tat nicht bei uns, der durch die Gegend spukt. Hui Buh von Hamburg. Genau, den gibt es nicht. Nein, also wir haben natürlich versucht, dieses Thema, diese Vergangenheit in Szene zu setzen. Und das haben wir, glaube ich, recht prominent nach dem Umbau unserer Lobby geschafft, indem wir eine richtige Fotowand installiert haben, wo man wirklich anhand alter Bilder mal sehen kann, was uns ausgemacht hat. Und ansonsten, ja, wir sind einfach nach wie vor multikulturell eingestellt, sehr, sehr vielfältig und mit der historischen Wand wollen wir das alles auch noch zeigen.

Marina Christensen
Passt zu der Lokation, wo ihr euer Hotel habt. Das ist tatsächlich so, dass man sich, kann ich auch aus eigener Erfahrung sagen, dass man sich bei euch jedes Mal wie zu Hause fühlt. Wie machst du das? Wie macht dein Team das? Wie trainierst du dich?

Oliver Heiß
Ja, du hast das richtige Wort schon gesagt. Das ist das Team. Und das Team ist auch einzig und allein dafür verantwortlich. Es hat so ein bisschen Familiencharakter eigentlich bei uns. Wir haben sehr wenig Fluktuation. Die Kollegen, die da sind, sind extremst zusammengewachsen. Und das auf so eine, ja, so eine organische Art und Weise, so authentisch, dass man sich gegenseitig unterstützt. Also wir sind teilweise auch richtig multifunktional unterwegs. Wir haben eine Kollegin, die arbeitet im Frühstücksservice. Und wenn der vorbei ist, geht sie in die vorbereitende Buchhaltung. Wir haben jemanden, der in der Küche arbeitet. Heute noch gibt es sowas. Genau. Und danach sich den Blaumann anzieht und in der Technik unterstützt. Also ich glaube, wir sind alle sehr miteinander irgendwo verbunden. Und dieses Miteinander verbunden sein, dieser familiäre Charakter und dieses gute Miteinander, das spürt man auch, das spüren unsere Gäste. Und das zeigen sie anhand von tollen Bewertungen.

Marina Christensen
Und das ist toll, dass es das heute noch gibt. Das ist ja das, was im Moment in aller Munde ist. Dass es das angeblich nicht mehr gibt. Wir kennen das beide von früher. Wenn ich mich an meine Frühstückseinsätze erinnere, wenn ich morgens ins Büro kam und dachte, ich habe jetzt meinen Tag mit RFPs und Kundengesprächen und Terminen. Dann hieß es erst mal, nee, sind zwei Leute nicht zum Dienst gekommen. Du musst jetzt erst mal zwei Stunden Frühstück machen. Und das war total normal für uns, dass wir die Kollegen da unterstützt haben. Du wirst das Gleiche gehabt haben. Absolut, ganz genau.

Oliver Heiß
So war es immer. Die Ausbildung hat daraus bestanden, dass man sich gegenseitig unterstützt hat.

Marina Christensen
Und das ist übrigens auch das Schöne, dass man eben ganz flexibel einsetzbar ist in der Hotellerie. Das ist jetzt mein kleiner Werbeblock für den Nachwuchs. Wenn immer ihr Interesse habt, Hotelfach zu lernen, meldet euch bei uns. Du hast gerade schon erwähnt, dass ihr eine sehr familiäre Atmosphäre in deinem Raphael Hotel habt. Nun, das Hotel ist ja seit über 40 Jahren Teil der Best Western Familie. Wir haben euch gerade im, wann war das, im Mai ausgezeichnet.

Oliver Heiß
Auf Mallorca. Auf Malle.

Marina Christensen
Auf der Bühne live ausgezeichnet. Und das ist natürlich einem Mann zu verdanken, der die Raphael Hotels vor über 40 Jahren gegründet hat, nämlich Hans Gerst.

Oliver Heiß
Richtig.

Marina Christensen
Das Best Western Plus Hotel St. Raphael war das erste Haus eurer Gruppe, die 1980 gegründet wurde von Hans Gerst. Und er war Präsident von uns von Mitte der 90er Jahre bis 2013, also echt lange. Und du hast ihn, glaube ich, gar nicht mehr kennengelernt.

Oliver Heiß
Leider nicht, nein.

Marina Christensen
Und ich habe ihn kennengelernt, als ich für Hamburg Tourismus tätig war und wir ein paar Mal zu Gast waren in dem Haus. Ich habe den sozusagen als Alterspräsident noch kennengelernt, als ich damals hier anfing. Und ich habe aber unseren CEO mal gebeten, Markus Mohler mir ein paar Worte zum Hans Gerst zu sagen, weil ich glaube, der war sehr, sehr prägend für unsere Firma. Und er hat mir geschrieben, Hans Gerst war ein erfolgreicher, professioneller, kluger und ebenso herzlicher Hotelier. Er war ein Geschäftspartner und Freund. Und das sagt man ja wirklich nicht so oft. Und er war ein ausgezeichneter Leader dieser Organisation, der die Hoteliers und die Organisation immer auf charmante und lösungsorientierte Weise zusammengebracht hat. Er hat sich nie in den Vordergrund gedrängt, auch wenn er eine und zwar massive Führungsrolle innehatte. Platz und Wertschätzung für alle, das war ihm wichtig. Und ich finde, diesen Gedanken spürt man heute noch hier und den spürt man auch, wenn man in eure Hotels kommt. Insgesamt hat Raphael...

Oliver Heiß
Wir haben neun Hotels insgesamt. Diese neun Raphael Hotels werden halt geführt von Walter Brandner, der Sohn von Hans Gerst und mit Marc Dechow gemeinsam. Wir haben insgesamt neun Hotels, sieben davon in Hamburg, eins in Bremerhaven, das The Liberty und das Seehotel Frankenhorst in Schwerin. Somit fünf Hotels sind in der Best Western Kooperation.

Marina Christensen
Ja, ganz toll. Also die Zusammenarbeit mit euch ist auch exzellent, muss man sagen. Das merkt man an allen Stellen und das macht immer Spaß. Also die ist nicht nur lange, sondern sie wäre ja nicht so lange, wenn sie nicht erfolgreich wäre von beiden Seiten. Also das muss man ja schon sagen. Ja, und leider gibt es den Hans Gerst nicht mehr. Er ist vor ein paar Jahren verstorben, aber tatsächlich sein Geist lebt weiter. Das merkt man, wenn man in eure Häuser kommt. Das macht schon eine Menge Spaß. Also das an der Stelle. Kommen wir wieder zurück zum Hotel. Was macht denn das Haus heute für die Gäste besonders? Gerade in einem Stadtteil wie St. Georg. Um das geht es ja heute.

Oliver Heiß
Genau. Ja, also diese Frage, natürlich stellt man die auch mal so häufiger. Also das Hotel liegt wirklich mitten in St. Georg und mitten in dem gesamten vibrierenden Viertel. Und was uns, glaube ich, auszeichnet, ist, dass wir eine richtige Oase der Ruhe und der Entspanntheit darstellen. Das ist sicherlich dem geschuldet, dass wir auch ein bisschen renovieren durften oder ganz ordentlich renovieren durften in den letzten Jahren. Das heißt, gerade in der Hotel-Lobby, auch durch unsere Eingangstür, halten wir den Lärm, den Straßenlärm und alles Weitere wirklich draußen, sodass man sich wirklich bei uns sicher und ruhig fühlt. Und diese Oase wollen wir unsere Gäste spüren lassen, beim Einchecken bei uns auf den Zimmern, wenn sie übernachten und genauso auch im Frühstücksbereich. Also wir sind sehr, sehr darauf bedacht, dass wir viel Ruhe und Entspanntheit ausstrahlen.

Marina Christensen
Das macht ihr wirklich. Ihr seid echt tolle Gastgeber. Man merkt das als Gast schon, wenn man eincheckt, wie liebevoll man empfangen wird. Und ja, macht wirklich Spaß. Wir kommen da gleich nochmal drauf. Wenn man über die Gäste spricht, was habt ihr denn für Zielgruppen? Wer kommt zu euch? Warum kommen die Gäste zu euch? Was sind das für Zielgruppen, die ihr ansprecht mit eurem Produkt?

Oliver Heiß
Ein weiterer Punkt der Ruhe. Jetzt kann man nicht direkt davon reden, dass wir ein Adults-Only-Hotel sind, aber bei uns sind es tatsächlich so, aufgrund unserer Zimmergegebenheiten. Wir haben ja sehr, sehr viele Paare bei uns, das meistens so im Alter 55 plus. Sehr viele Freizeitreisende, die einfach von uns aus Hamburg entdecken, die Möglichkeit haben, durch die Nähe zum Hauptbahnhof, sternförmig alles in Hamburg zu besuchen. Das macht sehr viel aus. Somit, wir haben wenig Kinder, wenig Unruhe. Wir haben ein ganz, ganz tolles Frühstücksbuffet, was unsere Gäste auch zu schätzen wissen.

Marina Christensen
Kann ich bestätigen.

Oliver Heiß
Erfinden wir uns immer so ein bisschen mit kleinen Punkten dazu. Es ändert sich immer wieder was. Also das stellen wir auch immer wieder ein bisschen infrage, weil es uns sehr, sehr wichtig ist, so gut in den Tag zu starten. Wir haben einen Fitnessbereich auf der fünften Etage und da kann man auch mal die Elbphilharmonie sehen, also einen kleinen Blick über Hamburg auch genießen, wenn man sich trainieren möchte. Ansonsten haben wir, finde ich, einen ganz tollen Verkaufspunkt, nämlich unseren doch extremst sicheren Parkplatz, der durch ein Tor abgetrennt ist, das mitten in der Innenstadt. Das heißt also, da kann nichts passieren, da werden keine Scheiben eingeschlagen oder sonstiges. Den haben wir auch ein bisschen modernisiert mit vier Elektro-Ladepunkten, so dass wir dem Thema Nachhaltigkeit rechnen können.

Marina Christensen
Und die sind auch immer gut belegt. Also wenn ich da mal bin bei euch, da hängen, also diese E-Mobilität. Gut, Hamburg ist ja auch eine grüne Stadt. Da sind halt auch viele mit E-Wagen. Ihr habt aber auch eine tolle Bar, fällt mir gerade ein. Da habe ich neulich abends nämlich sehr lange und sehr nett gesessen.

Oliver Heiß
Wir haben auch eine sehr, sehr gemütliche Bar.

Marina Christensen
Ja, genau.

Oliver Heiß
Und dazu im gesamten Bereich, also weil wir eben über Gäste auch gesprochen haben, haben wir aber nicht nur Freizeitgäste, sondern auch Business-Gäste unter der Woche. Das sind einfach Mitarbeiter der umliegenden großen Firmen, die es bei uns auch gibt. Und die nutzen genauso auch unseren komplett neu renovierten Tagungsraum, wo es auch ein digitales Whiteboard gibt. Also da haben wir uns auch richtig schön entwickelt. Sehr schön.

Marina Christensen
Ja, haben wir auch gut was zu verkaufen. Das ist prima. Erzähl doch mal ein bisschen was über St. Georg grundsätzlich für Leute, die sich vielleicht in Hamburg, was wir natürlich alle denken, dass sich jeder in Hamburg gut auskennt, aber das ist natürlich nicht der Fall. Wo liegt der Stadtteil überhaupt?

Oliver Heiß
Also St. Georg liegt im Bezirk Hamburg-Mitte, direkt östlich der Alster und ist eigentlich direkt hinter dem Hauptbahnhof. Ist einer der zentralsten Stadtteile Hamburgs und ein ganz, ganz bedeutender Verkehrsknotenpunkt und liegt einfach daran, dass der Hauptbahnhof in Hamburg mit 500.000 Fahrgästen der meist frequentierte Bahnhof Deutschlands ist. 500.000 täglich. Wahnsinn. Das ist schon mal eine Hausnummer. Ebenso auch im Bahnhof gerade immer sehr, sehr interessant, dass es halt dort in der Wandelhalle und auch in den Unterführungen immer verschiedene temporäre Kunstausstellungen gibt. Das ist auch nicht überall gegeben. Also man versucht sich auch hier immer ein bisschen neu zu erfinden.

Marina Christensen
Ja, und ich finde, das ist wirklich auch ein Hinweis wert. Ich bin tatsächlich öfter da, weil ich ab Hamburg ganz viel mit dem ICE in Deutschland rumfahre und dafür dann ab und zu bei euch parken. Und dann ist das natürlich toll, wenn man nur ein paar Minuten zum Hauptbahnhof hat. Und man übersieht das wirklich, wenn man das nicht weiß, weil der Bahnhof eben echt voll ist jeden Tag. Und dann hat man meistens, kommt man nur zehn Minuten vor der Abfahrt des Zuges an. Aber man sollte sich die Zeit nehmen. Diese Wandelhalle ist historisch und so viele schöne Bahnhöfe in Deutschland haben wir auch nicht mehr. Und ich glaube, die Bahn renoviert da ja jetzt auch so ein bisschen. Die haben ja einige Projekte, einige Renovierungs- und Modernisierungsprojekte. Und ich glaube, der Hamburger Hauptbahnhof gehört dazu. Er wäre es wert, muss man sagen. Genau, wenn es pünktlich wäre. Ja, genau, wenn es pünktlich wäre. Ja, St. Georg ist tatsächlich, das habe ich in der Vorbereitung auf diesem Podcast gemerkt, ein sehr faszinierender Stadtteil und hat eine wirklich vielschichtige Geschichte, die sich über mehr als 800 Jahre erstreckt. War mir ehrlicherweise alles gar nicht klar. Also der Name St. Georg kommt von dem Hospital St. Georg, benannt nach dem Heiligen St. Georg. Und das war ein Leprakrankenhaus. St. Georg hat nämlich vor über 800 Jahren noch gar nicht zu Hamburg gehört, sondern war außerhalb der Stadt. Und dieses Krankenhaus ist deshalb dort entstanden, um die Leprakranken zu isolieren und dort eben auch zu pflegen, dass nicht alle starben. Und dann, wenn man einen großen Sprung macht, ist es im 20. Jahrhundert, hat sich gewandelt vom Armenviertel zum Multikulti-Szeneviertel. Es gab unterschiedlich interessante Jahre. Es ist auch mal darüber gesprochen worden, fand ich auch spannend, hatte ich auch vorher noch nie gelesen, dass der Stadtteil total abgerissen wird zugunsten eines anderen großen Bauprojekts in Hamburg. War mir gar nicht klar. Wird auch jetzt totgeschwiegen, weil ich glaube, da würden sich alle, die das damals an der Entscheidung, die daran beteiligt waren, schämen müssen. Das ist zum Glück nicht passiert, weil es da genug Bürgerinitiativen gab, die das verhindert haben. Und heute ist St. Georg ja ein sehr, ja, hat es sich im Prinzip entwickelt zu einem kreativen, vielfältigen und urbanen Zentrum. Also es gibt viele Cafés, es gibt Galerien, es gibt kulturelle Einrichtungen. Man kann ein bisschen shoppen gehen, weil es so kleine, hübsche Läden gab. Es gab früher wohl auch Handwerksläden und Handwerksbetriebe. Die sind tatsächlich alle weg. Das ist alles ausgestorben. Das ist wahrscheinlich in die Industriegebiete, im Umland gegangen. Aber diese Cafés und Galerien sind nach wie vor da. Und St. Georg ist eben auch bekannt für seine Vielfalt, für die Toleranz, die Nähe zur Außenalster. Es hat nicht nur die Nähe zum Bahnhof, sondern auch die Nähe zur Außenalster. Also ein toller Stadtteil. Und ja, das ist auch einer der Gründe, warum wir uns entschlossen haben, diesem Stadtteil mal einen Podcast zu widmen. Wie erlebst du, Olli, dieses St. Georg von heute?

Oliver Heiß
Wenn ich das mit einem Wort, mit einem einzigen Wort mal beschreiben darf, würde ich einfach sagen, das ist wild.

Marina Christensen
Ja.

Oliver Heiß
Auf der einen Seite ist es wild sympathisch und auf der anderen Seite ist der Stadtteil einfach ein Schmelztiegel aus Arm und Reich, aus Szeneviertel und sozialem Brennpunkt. Und tagsüber ist das Viertel lebendig und offen, kreativ, vielfältig und urban mit all den Cafés, die du eben schon erwähnt hast und den Galerien und kulturellen Einrichtungen. Es kann aber auch nachts mal ungemütlich werden, um es einfach auch so zu sagen. Es ist ein Bahnhofsviertel. Und da passiert das einfach auch, was es sonst auch in Deutschland und anderen Metropolen gibt. Es ist einfach auch ein Leben, was sich da drumherum strickt. Und das Leben ist auch teilweise geprägt von Drogenkonsum, von Straßenprostitution. Das existiert alles. Und ich glaube, dass das Wichtige ist, um hier einfach auch mal dagegen zu gehen, das einfach auch so zu akzeptieren, dass es so ist. Es ist nicht so, dass es gefährlich ist. In diesen zweieinhalb Jahren, in denen ich da bin, habe ich faktisch keinen Fall erlebt, wo unsere Gäste wirklich angegangen wurden oder wo irgendetwas wirklich Handfestes passierte. Man fühlte sich unsicher und das kann ich auch durchaus verstehen. Gerade auch, wenn man sich den Hansaplatz anguckt. Der war in den 80er, 90er Jahren, war das ein Hotspot für offenen Drogenkonsum. Und man hat einfach aber auch Punkte und so ist es auch in St. Georg weiterhin, dass die Polizei Maßnahmen ergreift, um halt dagegen zu steuern. Zum Beispiel am Hansaplatz hat man dann einen festen Einsatzwagen installiert, der dann abschreckt. Die Streifen werden erhöht, sodass nicht nur Hotelgäste von uns, aber auch Menschen, die in St. Georg wohnen, einfach auch ein besseres, sicheres Gefühl haben. Das gelingt nicht immer. Das ist, glaube ich, auch ganz klar. Und wenn man mit Bewohnern des Stadtteils spricht, sind sie einfach auch entsetzt, wie sich der Stadtteil neu erfindet und neu definiert. Aber man tut auch was dagegen oder man versucht es zumindest auch zu tun. Man akzeptiert es nicht nur.

Marina Christensen
Und ihr seid, glaube ich, auch im Austausch mit den Behörden, im regelmäßigen Austausch. Es geht vermutlich auch gar nicht anders.

Oliver Heiß
Ja, das geht gar nicht anders. Da gibt es das PK 41 auf dem Steindamm und mit dem Einsatzleiter, mit dem Leiter dieses Polizeikommissariats habe ich Gespräche gehabt, genauso wie auch mit dem bürgernahen Beamten. Natürlich bekommt man da auch Einblicke in die Stufen dieses Milieus und lernt es auch ein Stück weit zu verstehen und weiß auch, wie wichtig es ist, die Polizei immer zu involvieren, damit man es wieder schafft, unsere Straße, unsere Adenauerallee durch mehr Streifen auch zu besetzen. Also wir müssen immer wieder erinnern, wir müssen immer wieder uns melden und das ist auch gut so. Das machen meine Kollegen, die es dort gibt, ebenso.

Marina Christensen
Also ich hatte neulich ein …. ein Erlebnis, war es gar nicht. Ich kann von einer Begebenheit erzählen. Ich hatte mein Auto bei euch geparkt und bin aus Frankfurt abends gekommen und war durch eine Verspätung des ICEs, tatsächlich erst kurz nach zehn in Hamburg.

Oliver Heiß
Das gibt es?

Marina Christensen
Ja, nein, das gibt es kaum. Und bin dann eben über den Steindamm auch gelaufen zu eurem Hotel. Man kann ja über die Adenauer direkt laufen, Adenauerallee oder eben Steindamm. Und ich habe den Steindamm gewählt, weil ich dachte, ach, um die Zeit ist der eben belebter, weil da ja viele Gemüse- und Obsthändler sind, die alle noch aufhatten. Und das war super. Und ich bin eigentlich auch sehr angstbefreit, muss man sagen. Und da waren viele Menschen unterwegs und also ich hätte jetzt nicht gedacht, ich nehme mir jetzt dafür ein Taxi, sondern bin das natürlich gelaufen und das war auch überhaupt kein Problem. Wir sind ja manchmal alle so ein bisschen in so einem Kokon und leben in unserer Bubble und da pulsiert eben das Leben und da treffen eben ganz viele verschiedene Gesellschaftsschichten aufeinander. Und ihr seid ja nicht das einzige Hotel, da muss man ja auch sagen, da sind ja einige Häuser.

Oliver Heiß
Und große Hotels auch.

Marina Christensen
Absolut, ja, ja, ganz genau. Was macht denn St. Georg für dich sympathisch? Wenn man jetzt ein bisschen über die Brennpunkte gesprochen hat, es gibt ja ganz viel sympathische Punkte.

Oliver Heiß
Ja, ich glaube, das kann man so eigentlich auch mit einem Satz sagen. Ich finde, auf St. Georg engagiert man sich, da interessiert man sich füreinander. Das hat also schon noch so ein bisschen diesen privaten Kiezgeruch. Wenn es irgendeinem schlecht geht, dann steht man auch füreinander ein. Also zum Beispiel, vor Jahren gab es einen Zeitungsartikel, den ich also wirklich auch, wie man so schön sagt, gefressen habe, wo es darum ging, das weiß ich nicht, ob du die kennst, Hinz und Kunst, das ist das Obdachlosenmagazin oder Zeitung. Da gibt es Verkäufer dementsprechend. Und auf der anderen Seite Dat Backhus, eine große Kette auch innerhalb Norddeutschlands oder hauptsächlich Hamburg. Bäckerei Kette. Und vor dieser Bäckerei auf der langen Reihe gab es einen Verkäufer von Hinz und Kunst, der immer dort stand. Das war so ein ungeschriebenes Gesetz, der stand dort bei Wind und Wetter und hat seine Zeitungen da halt verkauft. Und als sich die Geschäftsführung dort verändert hat, bei dem Backhus, haben sich die neuen Leiter dieser Bäckerei dazu entschlossen, ihn da zu vertreiben und ihn da nicht mehr stehen zu lassen. Und da ging dann halt bis zum Bürgerverein und auch anderen engagierten Personen in St. Georg alle auf die Barrikaden, haben mit der neuen Geschäftsführung gesprochen und das wirklich bewirkt, dass er wieder seinen alten angestammten Platz bekam. Also ich finde, das ist so eine kleine Geschichte, die die St. Georg auszeichnet. Man schnackt miteinander, man kümmert sich. Das ist so der Punkt. Damals, als die Flüchtlingswelle kam, gab es diesen Gabenzaun, den ganz berühmten, wo beim Ohnsorg Theater an den Bauzaun Hamburger Hygieneartikel, Kleidung, auch Essen in Tüten packte und einfach an diesen Zaun gehangen haben, um zu unterstützen auf eine ganz unkonventionelle Art und Weise.

Marina Christensen
Irre. Also das finde ich eine tolle, tolle Geschichte. Es gibt ja, also St. Georg auch eben ein paar Prominent Leben. Ich glaube, die berühmteste Frau, ich weiß gar nicht, ob sie da noch lebt, ist Ina Müller, die da ja auch nie weg wollte. Und das sind Leute, die sich eben auch engagieren, die sich für diesen Stadtteil auch stark machen und die dann natürlich auch eine entsprechende Reichweite in ihrer Stimme haben. Was ist denn empfehlenswert in St. Georg? Was kann man unternehmen, neben den Galerien und den Cafés? Nette kleine Restaurants, das weiß ich noch.

Oliver Heiß
Du hast ja eben schon erwähnt, also die Lange Reihe, die ist so ein bisschen so die pulsierende Ader.

Marina Christensen
Ja, das ist eine Straße.

Oliver Heiß
Das ist eine Straße mit unterschiedlichen Cafés, mit unterschiedlichen Stilrichtungen. Dort gibt es kleine Restaurants. Da tobt das Leben. Das kann auch sehr, sehr bunt und sehr, sehr queer werden. Aber die Lange Reihe ist so die pulsierende Ader. Was es ebenso gibt, ist die Außenalter, die eigentlich ideal zum Spazieren, zum Joggen oder generell zum Entspannen ist, einen herrlichen Blick aufs Wasser hat und auch zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten immer attraktiv ist. Dem haben wir auch so ein bisschen Rechnung getragen. Wir haben auf unseren Zimmern in den Kleiderschränken haben wir so einen ausgeschnittenen Jogging-Schuh, wo wir praktisch die Jogging-Strecke nachgebildet haben. Und das kommt eigentlich auch bei den Gästen immer noch an.

Marina Christensen
Also die nutzen das.

Oliver Heiß
Bisschen Old Fashion, aber es kommt immer noch sehr gut an.

Marina Christensen
Nee, Sport ist nie Old Fashion, finde ich.

Oliver Heiß
Ansonsten gibt es halt das Museum für Kunst und Gewerbe. Ebenso ein Punkt und da sieht man dann, glaube ich, auch so ein bisschen unser Alter wieder, das Ohnsorg Theater. Da sehe ich vor meinem geistigen Auge noch Schwarz-Weiß-Fernsehen und Heidi Kabel.

Marina Christensen
Und Henry Wahl, Gott, den kennt kaum einer noch.

Oliver Heiß
Das Hansa-Theater ist ein historisches Varieté-Theater mit einem Mix aus klassischer und moderner Unterhaltung und natürlich das Schauspielhaus. Und das ist eines der bekanntesten Theater Deutschlands.

Marina Christensen
Ja. An das Schauspielhaus habe ich persönlich eine ganz nette Erinnerung. Ich habe dort ein Stück gesehen und hatte danach die Gelegenheit, mit in die Kantine zu gehen, wo sich alle Künstler eben immer trafen. Und wir haben da alle zusammengesessen an einem langen Tisch und haben ein bisschen Vino getrunken. Und dann kam Bjarne Mädel. Für alle, die Bjarne Mädel nicht kennen, das ist einer der für mich besten Schauspieler in ganz Deutschland. Das ist der berühmt-berüchtigte Tatortreiniger. Und der war gar nicht an dem Abend engagiert, sondern der war einfach da, weil er wahrscheinlich Kollegen treffen wollte. Und der stand an der Theke und hat ein Bier getrunken. Und ich dachte, boah, geh ich da jetzt hin, geh ich da nicht hin, geh ich da hin. Du willst sie ja nicht so anquatschen, wenn die hier privat sind. Und dann habe ich irgendwie nach einer halben Stunde bin ich hingegangen und habe wirklich gefragt, ob wir ein Selfie machen dürfen. Und dann sagte er, ich dachte schon, du fragst nie. Und das fand ich so sympathisch. Und seitdem habe ich also ein Selfie mit Bjarne Mädel. Also dieses Theater, die Karin Bayer, die Intendantin, macht das wirklich toll. Superschöne Stücke. Aber ich habe auch eine ganz nette Erinnerung ans Ohnsorg-Theater. Die machen ja sehr viel auch in Plattdeutsch.

Oliver Heiß
Nur. Nur fast.

Marina Christensen
Es ist eher selten, dass es Hochdeutsch gibt.

Oliver Heiß
Richtig, genau.

Marina Christensen
Und auch das ist spannend. Ich verstehe wirklich wenig Plattdeutsch, obwohl ich ja nun auch schon lange in Schleswig-Holstein lebe. Ja, ich bin da auch komplett raus. Aber man kann hingehen und man versteht den Zusammenhang. Mich hat mal eine Kollegin vom NDR mitgenommen, die sagte, komm mal mit, hör dir das mal an. Und das war super. Also es macht echt Spaß, ein plattdeutsches Theaterstück zu sehen. Ist halt echt und authentisch. Total. Das passt einfach auch so komplett in das Viertel rein. Ja, also richtig, richtig cool. Muss man unbedingt mal gesehen haben.

Marina Christensen
Was hast denn du noch für Geheimtipps für Sankt Georg-Besucher?

Oliver Heiß
Also Geheimtipps, sag ich mal, kulinarischer Natur sind so Sachen, die mir extremst gefallen. Zum Beispiel auf der langen Reihe, da gibt es halt das Dorf. Es ist erst mal so von außen ein bisschen unscheinbar. Und hört sich auch eher nach Bayern an. Richtig. Das liegt auch im Souterrain unter einer Apotheke, aber das wird auch ganz doll beworben. Das ist eigentlich das beste Wiener Schnitzel der Stadt. Ganz gemütlich, bisschen dunkel, ganz tolle Weine, herzlichste Bedienung. Also das ist ein ganz, ganz toller Laden, wer es mal so klein und gemütlich haben will. Was ich ebenfalls immer sehr genossen habe, waren gerade in der Hotellerie auch immer so ein bisschen kleiner Treffpunkt, auch auf der langen Reihe das Frau Möller, wo man entspannt Fußball gucken kann mit Bratkartoffeln und Spiegelei zu einem erschwinglichen Preis. Also das ist so eigentlich auch so eine richtige Szene und das macht auch schon Spaß, da hinzugehen. Das ist auch so ein Stück Hamburg. Wenn du so ansonsten fragst, es gibt ja immer so den Punkt, wenn man irgendwo ist, wo kann ich mir ein paar Mitbringsel holen für zu Hause. Und das ist eigentlich, finde ich, das Mutterland, das Nonplusultra. Das kann man auch kulinarisch toll machen. Die haben ganz tolle kreative Ideen von Tassen über Kaffee, Schokolade, tolle Verpackungen, Pralinen, was auch immer, alles mit Hamburg Bezug.

Marina Christensen
Und die sind auch direkt am Hauptbahnhof. Ja, da habe ich jetzt tatsächlich auch kleiner Spoiler, wenn wir Ende des Jahres auf eine große internationale Messe beziehungsweise auf einen Kongress gehen, der in Hamburg stattfindet. Und da dürfen wir ja auch bei dir im Hotel wohnen. Freuen wir uns alle sehr drauf.

Oliver Heiß
Ich weiß.

Marina Christensen
Da habe ich für die Kunden, die bei uns auf die Messe an den Stand kommen, auch von Mutterland bestellt, dieses Popcorn mit Franzbrötchen Geschmack. Und das ist ja ein Träumchen. Ja, ein Traum. Das Hamburger Franzbrötchen für alle, die es nicht kennen. Ein Franzbrötchen ist einer meiner Lieblingsgebäcksorten. Liebe Hörer, er hat gerade erschreckt mit dem Kopf geschüttelt und sagte, okay. Um Himmels Willen, ich darf keine Süßigkeiten essen. Ich darf eigentlich auch nicht, aber ich tue es. Also das Franzbrötchen ist Hamburgs berühmteste Süßigkeit. Ich glaube, es ist ein Hefeteig. Ich bin gar nicht sicher. Jedenfalls ist es so ein Plunderstückchen und mit ganz viel Zimt. Und gibt es in verschiedenen Variationen. Der Klassiker ist immer noch der leckerste. Und da gibt es übrigens im Hauptbahnhof eine Megabäckerei. Ich glaube, die heißt Herr Franz oder irgendwie so. Und da gibt es Franzbrötchen in allen Variationen. Kann ich empfehlen. Habe ich schon mehrfach getestet. Sehr lecker. Immer, wenn ich hierher nach Frankfurt fahre, muss ich das mitbringen. Von unserem Haus- und Hofbäcker haben wir komischerweise auch welche bei unserem Frühstücksbuffet.

Oliver Heiß
Böse Sache, aber ich habe mir das nur sagen lassen. Du gehst immer dran vorbei. Herrlich.

Marina Christensen
Franzbrötchen sind ein Stück Hamburger Kultur, muss man sagen. Also das ist wirklich, wirklich schön. Was würdest du denn Menschen sagen, die… Also anders gefragt: Es gab neulich in der FAZ einen etwas kritischen Artikel zur Hamburg St. Georg. Und wenn denen Gäste lesen, die Hamburg auf ihrer Liste stehen haben und mal kommen wollen, denken, oh, jetzt bin ich aber so ein bisschen, ne, da will ich nicht hin. Was würdest du denn solchen Gästen entgegnen?

Oliver Heiß
Also zunächst einmal muss ich sagen, was diesen Artikel angeht, der war extremst gut recherchiert. Ich konnte sehr, sehr vieles einfach auch so unterschreiben. Hat natürlich auch ein Bild skizziert von St. Georg, was nicht schön ist, aber der Realität entspricht. Und das war schon ein gutes Stück, was man da lesen konnte. Also nur muss ich auch dazu sagen, St. Georg ist halt ein Viertel der Gegensätze. Und genau das macht es irgendwie so faszinierend. Also wenn man so ein Stückchen hinter die Fassade blickt, da entdeckt man ein Stück wirklich echtes Hamburg, das ein bisschen roh ist, ehrlich, lebendig, urban. Und das ganze Thema Bahnhofsviertel, Milieu, Obdachlosigkeit, Kriminalität, dem kann man auch entgegenwirken. Und das kann man auch mit ganz vernünftigen Maßnahmen machen. Und das haben wir getan. Und da muss man auch ganz, ganz, ganz ehrlich sein. Das ist das Wichtigste für uns, ist die Sicherheit unserer Gäste. Und dafür haben wir die Eingangstür beispielsweise komplett erneuert. Und die wird auch ab 9 Uhr auch dann zugemacht, sodass keiner mehr ins Hotel huschen kann. Wir haben überall Kamerasysteme bei uns im Hotel, sodass wir auch wirklich Sicherheit ausstrahlen und auch notfalls eingreifen können. Aber es ist noch nicht passiert. Wir kontrollieren bei Lieferungen, bei unserem Lieferanteneingang sind wir mit dabei, um zu sehen, dass auch wirklich nur Lieferanten das Hotel betreten und kein anderer von der Straße. Also wir haben unsere Maßnahmen, unsere Prozesse so durchdacht, immer wieder auch in Fragestellend installiert, damit wir unseren Gästen wirklich Sicherheit vermitteln können. Dazu gehört zum Beispiel auch, und das ist so ein naheliegender Punkt, unser historischer Fahrstuhl. Das ist der mit dem Messingaschenbecher. Den keiner mehr benutzen darf, aber den es gibt. Wir werden unseren Fahrstuhl Anfang nächsten Jahres komplett erneuern, die Kabine neu, neues System richtig rein. Und das bedeutet einfach auch ein Stück mehr Sicherheit, denn man kann nur die einzelnen Etagen anfahren, wenn man auch die dazugehörige Zimmerkarte hat.

Marina Christensen
Das ist ja bei vielen Hotels mittlerweile auch der Fall.

Oliver Heiß
Ja, das ist ja fast überall eigentlich Standard. Ist es bei uns nicht, weil wir noch diesen alten historischen haben. Der sehr schön ist, ehrlicherweise.

Marina Christensen
Der sehr lustig ist, ja genau. Also es wird schon traurig sein, wenn es den nicht mehr gibt, aber Sicherheit geht einfach vor. Und das ist der wichtige Punkt.

Oliver Heiß
Und ich glaube einfach, wir werden dadurch auch wieder ein Stückchen in die richtige Richtung gehen, uns weiterentwickeln. Und das ist für uns das Wichtigste. Ansonsten, wenn man mich fragt, ob man Tipps hat, wie man sich eigentlich da verhält, einfach mit gesundem Menschenverstand. Ich meine, jeder sollte seine Wertsachen in jeder Metropole dieser Welt am Körper tragen. Jeder sollte dunkle Seitenstraßen meiden. Das sind alles Sachen, das macht man einfach nicht. Und wenn wir auch ehrlich sind, Nachtspaziergang am Bahnhof war jetzt nicht bei meinen Top Ten irgendwo dabei, die ich mal erleben wollte.

Marina Christensen
In keiner Stadt, ne.

Oliver Heiß
Und wer sich da unsicher fühlt, kann einfach auch mit dem Taxi uns bequem erreichen.

Marina Christensen
Ja, ganz genau.

Oliver Heiß
Also es gibt genügend Möglichkeiten, diesem Ganzen als Gast aus dem Weg zu gehen. Es ist sicherlich was anderes, wenn man dort lebt. Und darauf zielte auch der Artikel aus der FAZ.

Marina Christensen
Ja, ah ok.

Oliver Heiß
Aber das sind so die Punkte, die es uns angeht.

Marina Christensen
Liebe Hörerinnen und Hörer, also ich kann all das bestätigen, was Oliver gerade beschrieben hat. Und das Haus ist wirklich eine Empfehlung wert. Wir bringen da ja beruflich sehr viele Gäste unter. Ich bringe privat immer wieder Gäste unter. Und es hat da tatsächlich noch nie Probleme gegeben. Es ist so ein wunderschönes Haus. Wenn man empfangen wird, man kommt in eine ganz kuschelige Halle. Man denkt, man ist in einem Wohnzimmer. Die Mitarbeiter sind freundlich und sehr kümmernd. Auch das ist ja ganz wichtig bei uns in der Branche. Weil, die Menschen machen es am Ende. Natürlich muss das Hotelprodukt auch stimmen. Gar keine Frage. Dazu ist einfach die Konkurrenz viel zu groß und der Druck am Markt. Und die Bewertungen, die es überall gibt, tun ihr Übriges. Aber am Ende des Tages ist das Team im Hotel das Ausschlaggebende. Das Frühstücksprodukt ist bei euch ein Hammer, muss ich sagen. Und die Zimmer sind toll und groß. Die haben wir jetzt großartig gar nicht erwähnt. Tolle große Zimmer. Man kann sich da wohlfühlen. Man schläft einfach gut. Und das Thema Oase der Ruhe ist wirklich so. Ihr müsst ganz viel dafür getan haben, dass dieser Lärm von der Straße nicht reinkommt. Weil man schläft und man ist ja mitten in der Stadt. An einem der pulsierendsten Ecken der Stadt. Und das macht schon echt Spaß.

Oliver Heiß
Ich könnte ja stundenlang so zuhören.

Marina Christensen
Ja, Sales ist meine Leidenschaft. Aber es macht auch echt Spaß, das Produkt zu verkaufen. Olli, wir sind schon durch. Aber wir waren ja auch gut vorbereitet.

Oliver Heiß
Mit wenig Zetteln. Das war wirklich ganz, ganz angenehm.

Marina Christensen
Das war eine sehr gute Idee von dir. Und das haben wir am Anfang gar nicht verraten. Wir sitzen hier zusammen in Eschborn bei uns im Studio 1. Im berühmten Studio 1. Das ist auch mein erster Podcast gewesen, den ich live mit meinem Gesprächspartner aufgezeichnet habe. Also live sind sie natürlich alle. Aber bislang war es immer so, dass wir remote gesessen haben. Und heute Face-to-Face. Und es war genau richtig, dass du darauf bestanden hast, das so zu tun. Wir sind sogar gestern im Auto zusammen hierher gefahren aus Norddeutschland. Und auch das war sehr kurzweilig. Und wir konnten die Zeit schon gut nutzen. Ich bedanke mich sehr bei dir. Es hat Spaß gemacht. Und du kannst jederzeit gerne wiederkommen. Wir müssen mal gucken, ob wir irgendein Thema noch finden, wenn der Aufzug fertig ist, über das wir noch reden können.

Oliver Heiß
Richtig. Nein, also vielen, vielen Dank für die Einladung. Hat super viel Spaß gemacht. Und du, wenn du beim nächsten Mal ein Thema hast, ich bin dabei. Sehr gerne.

Marina Christensen
Wir kreieren eins. An Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, auch vielen Dank. Sie werden gleich noch offiziell verabschiedet von meiner lieben Kollegin Gloria. Aber an der Stelle vielen Dank an unsere Produzentin, Denise, die sich mit viel Leidenschaft und Herz immer dafür einsetzt, dass diese Podcast-Reihe weitergetrieben wird, die für die Drehbücher verantwortlich ist, für die Technik, uns alles mit Geduld sehr viel erklärt. Es hat Spaß gemacht, liebe Denise. Danke dir dafür. Ich freue mich aufs nächste Mal. Ciao, ciao und bye, bye.

Oliver Heiß
Tschüss.

Moderation aus dem Off
Das war Wherever Life Takes You, der Podcast von Best Western Hotels and Resorts. Sind Sie neugierig geworden auf das Best Western Plus Hotel St. Raphael? Alle Infos zum Hotel finden Sie in den Show Notes. Mehr Geschichten, Reisetipps und Angebote gibt es auf bestwestern.de und in unserem Blog Wherever Life Takes You. Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat, gerne abonnieren, bewerten und weitersagen. Bei Fragen, Feedback und Ideen schreiben Sie uns an podcast@bwhhotels.de Bis demnächst. Bleiben Sie offen und bleiben Sie neugierig.

Weiterführende Links und Kontaktmöglichkeit:

#54 „Pott-Cast“ rund um den Essener Hof: Von der christlich ehrbaren Herberge zum beliebten 4-Sterne-Hotel:
https://www.bestwestern.de/podcast_3#54

#32 und #33 Geschmackssache(n): Ein kulinarischer Talk über Haute Cuisine und Hausmannskost:
https://www.bestwestern.de/podcast_2.html#32
https://www.bestwestern.de/podcast_2.html#33

#23 Sterne über Würzburg: Vom historischen Gasthof zum Wohlfühlhotel mit Spitzenrestaurant
https://www.bestwestern.de/podcast_2.html#23

#11 Weltkultur trifft Weltoffenheit: Das Best Western Premier Grand Hotel Russischer Hof
https://www.bestwestern.de/podcast_1.html#11

Kontakt Bei Fragen, Feedback und Ideen: podcast@bwhhotels.de